Die Weisheit des Kakaos

Vom Ursprung bis heute

Kakao ist älter als jede Schokolade. Er war Getränk der Götter, Währung und Medizin, ist bis heute ein Stück gelebte Maya-Kultur – und eine Pflanze, die in den Wald zurück will.

Die Pflanze – Kakaofrucht, Blüten und Knospen direkt am Stamm

Foto: Bayu nugroho, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Die Pflanze

Theobroma cacao – die Speise der Götter

Kakao ist ein Malvengewächs – verwandt mit Hibiskus und Baumwolle, nicht mit den Nachtschattengewächsen. Der Baum wächst nur zwischen den Wendekreisen, mag es warm und feucht und steht in der Natur im Schatten größerer Bäume.

Seine Blüten sitzen direkt am Stamm, nur ein Bruchteil davon wird zur Frucht – 15 bis 30 Zentimeter lang, gelb, orange oder rot, je nach Sorte. Aus einer Frucht kommen 30 bis 50 Samen in süßem, weißem Fruchtfleisch – die Kakaobohnen.

Die Sorten

Drei Kakaoarten – und eine ist selten

Klassisch unterscheidet man seit 1944 drei Gruppen. Fast alles, was weltweit geerntet wird, ist robuster Forastero. Der ursprüngliche Criollo der Maya – unser DaliLeo-Kakao – macht heute nur noch einen Bruchteil der Welternte aus.

Unser DaliLeo-Kakao

Criollo

der Welternte · reinerbig wohl nur 1–2 %

In Mesoamerika domestiziert, der Kakao der Maya und Azteken. Bohnen weiß bis zartlila. Im Geschmack mild, vielschichtig und kaum bitter. Diese Sorte ist zarter – und dafür anfälliger für Krankheiten und ertragsärmer, darum selten. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts dominierte sie den Markt; heute gibt es kaum noch reine Bäume. DaliLeo rekultiviert diese Sorte.

Der Massenkakao

Forastero

der Welternte · v. a. Westafrika

Stammt aus dem Amazonasbecken und wurde im 19. Jahrhundert von Brasilien nach Westafrika gebracht – heute ist er der Hauptkakao der Welt: Côte d’Ivoire und Ghana liefern zusammen rund die Hälfte der Welternte. Kräftig, klassisch schokoladig, mit Bitterkeit; robust und ertragreich. Fast alle Supermarktschokolade entsteht daraus.

Die Kreuzung

Trinitario

der Welternte

Entstand ab 1727 auf Trinidad, als nach einem Hurrikan die überlebenden Criollo-Bäume sich mit Forastero kreuzten. Komplex und ausgewogen, fruchtig, nussig, würzig – stark vom Terroir geprägt. Der Kakao von Jun Ajpu ist ein Trinitario Acriollado, also genetisch nah am Criollo.

Dazu kommt der Nacional aus Ecuador (unter 1 %, intensiv blumig) – neben Criollo und Trinitario die dritte Art, die die ICCO als „Fine or Flavour“ führt. Diese Edelkakaos machen zusammen knapp 5 % der Weltproduktion aus; gut 95 % sind Massenkakao. Die Welternte liegt bei rund 4,8 Millionen Tonnen im Jahr, etwa 72 % davon aus Afrika, 22 % aus Amerika, 6 % aus Asien und Ozeanien. Quellen: ICCO – Growing Cocoa, Radad International – Cocoa Species & Varieties (ICCO-Zahlen 2024/25)

Der Ursprung

Über 5.300 Jahre Kakao

Aus dem Amazonas

Die Gattung Theobroma stammt aus Südamerika, östlich der Anden. Lange galt Mesoamerika als Wiege des Kakaos. Dann fanden Forschende in Santa Ana-La Florida im Süden Ecuadors Kakaospuren an Keramik, die über 5.300 Jahre alt ist – rund 1.500 Jahre, bevor der Baum domestiziert wurde. Der Kakao kommt also aus dem Amazonasgebiet; zur Kulturpflanze wurde er weiter nördlich.

Mesoamerika: Getränk, Währung, Gegenüber

Vor etwa 3.000 Jahren nutzten die Olmeken Kakao, die Maya machten ihn zum Getränk der Zeremonie – ihr Wort „kakaw“ ist unser Name. Getrunken wurde er bitter, schaumig von Gefäß zu Gefäß geschlagen, mit Chili, Vanille oder Mais, nie süß.

Bei den Azteken waren die Bohnen sogar Zahlungsmittel. Für die Maya war Kakao kein Genussmittel, sondern ein Gegenüber: Er begleitet Geburt, Hochzeit, Ernte und Abschied – mit Feuer, Dank und in Gemeinschaft.

Kakaobaum im Codex Fejérváry-Mayer – zwei Gottheiten zu beiden Seiten eines Kakaobaums
Der Kakaobaum im Codex Fejérváry-Mayer, einer vorspanischen Bilderhandschrift aus Mesoamerika
Foto: Chaccard, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Nach Europa – und erst mit Zucker beliebt

Mit den Spaniern kam der Kakao im 16. Jahrhundert nach Europa – beliebt wurde er erst, als man Zucker hineingab. Was wir dir in die Tasse geben, ist die ältere Form: der ganze, kaum veränderte Kakao.

Um die Welt

Mit der Kolonisierung wanderte der Baum über die Tropen – und mit Ghana begann im 19. Jahrhundert der westafrikanische Kakao, der heute den Weltmarkt trägt.

  1. vor 5.300+ JahrenÄlteste Kakaospuren an Keramik – Santa Ana-La Florida, Südecuador
  2. vor ~3.000 JahrenDie Olmeken nutzen Kakao – Beginn der Kulturpflanze in Mesoamerika
  3. Maya„Kakaw“ – Getränk der Zeremonie, bitter, schaumig, mit Chili und Vanille
  4. AztekenKakaobohnen als Zahlungsmittel
  5. 1502 · 1528Kolumbus in Nicaragua – Cortés bringt den Kakaotrunk nach Spanien
  6. 1635 · 1660Criollo in Ecuador gepflanzt – Kakao auf Martinique
  7. 1727Hurrikan auf Trinidad – aus Criollo × Forastero entsteht der Trinitario
  8. 1753Linné nennt ihn Theobroma – „Speise der Götter“
  9. 1822 · 1879Forastero aus Brasilien nach Príncipe und Ghana – der westafrikanische Kakao beginnt
  10. um 1970Anbau wächst in Indonesien, Malaysia, Papua-Neuguinea
  11. heuteRund 4,8 Mio. t Welternte, 72 % aus Afrika – Criollo unter 5 %. Unsere Farmen pflanzen ihn zurück.
Bemalte Maya-Vase: ein Herrscher auf einem Thron, vor ihm ein Gefäß mit schaumigem Kakao, ihm gegenüber ein kniender Mann
Kakao am Hof der Maya – einem Herrscher wird eine Schale mit schaumigem Kakao gereicht. Bemalte Maya-Vase, 600–800 n. Chr.
Bild: Wikimedia Commons, gemeinfrei (Public Domain)

Heute – und wieder zurück

Bis Mitte des 18. Jahrhunderts war der feine Criollo der Kakao der Welt. Dann verdrängten ihn robustere, ertragreichere Sorten fast völlig. Genau dort setzen unsere beiden Farmen an: DaliLeo erhält den Criollo im Agroforst, Jun Ajpu bereitet den Kakao so zu, wie die Maya ihn kannten. Am Atitlán-See erzählt man sich bis heute, dass der Kakao wiederkommt, wenn die Menschen ihren Ursprung vergessen.

Der Anbau

Weltweit zurück in den Wald

Kakao wächst von Natur aus im Schatten des Regenwaldes. Wo er heute in Monokultur angebaut wird, zahlt die Umwelt den Preis – und darum gibt es inzwischen globale Abkommen, die den Anbau in Agroforstsystemen fördern.

Rund 70 % des Kakaos kommen aus Afrika, geerntet von fünf bis sechs Millionen Bauernfamilien auf meist weniger als einem Hektar. Nach Angaben des UN-Umweltprogramms hat der nicht nachhaltige Anbau etwa in Côte d’Ivoire zu Entwaldung und ausgelaugten Böden geführt. Dazu kommen Klimawandel und Extremwetter: Zu viel Regen Ende 2023 ließ in Ghana und Côte d’Ivoire Krankheiten wie das Swollen-Shoot-Virus und die Schwarzfäule der Früchte um sich greifen – ein Grund für die Rekordpreise der letzten Jahre.

Das Internationale Kakao-Abkommen, 2010 unter Führung der UN-Handelskonferenz UNCTAD neu verhandelt und von der Internationalen Kakao-Organisation ICCO verwaltet, verbindet 23 Erzeuger- und 29 Verbraucherländer – zusammen rund 97 % der Weltproduktion und etwa 60 % der Importe, darunter alle 27 EU-Staaten und die Schweiz. Neben Preistransparenz und stabileren Einkommen für die Bauern steht nachhaltige Entwicklung im Mittelpunkt: Agroforst, also Kakao zwischen anderen Bäumen und Pflanzen, soll Waldflächen zurückbringen, die Artenvielfalt stärken und die Böden gesund halten.

Genau so wächst unser DaliLeo-Kakao: zusammen mit Kardamom und Kaffee unter Harthölzern, die Schatten spenden, mit Tieren, die düngen und das Unterholz kurz halten. Die Ernte pro Baum ist kleiner als in der Plantage – die Ernte des ganzen Systems ist größer, und sie hält Jahrzehnte.

Quelle: UNCTAD – International Cocoa Agreement: enhancing cooperation and dialogue along global value chains (Juni 2024)

Weisheit des Kakaos · II

Die Zubereitung

Ein Block, heißes Wasser, ein bisschen Geduld. So wird aus reinem Kakao eine Tasse, die beglückt – morgens, abends oder in der Zeremonie.

Die Tasse – Das Grundrezept
Die Tasse

Das Grundrezept

Den Block fein hacken oder reiben – je feiner, desto schneller löst er sich. Mit heißem, nicht kochendem Wasser übergießen: 70 bis 80 °C sind ideal, zu heißes Wasser macht den Kakao bitter und nimmt ihm Aroma. Dann rühren, bis sich die Kakaobutter verbunden hat und die Oberfläche glänzt. Wer es cremig mag, nimmt zum Teil Hafer- oder Kokosmilch.

Zum Schluss gerne schaumig schlagen – mit dem Schneebesen, dem Molinillo oder einem kurzen Stoß im Mixer. Feine Partikel am Boden sind normal: Das ist der ganze Kakao, kein Extrakt. Wir persönlich mögen ihn mit etwas weniger Wasser – dann wird er dicker, fast zähflüssig, und schmeckt intensiver.

Auf einen Blick
  • 20–25 g zum Kennenlernen
  • 25–40 g für die tägliche Tasse
  • 40–45 g für die Zeremonie
  • 125–200 ml Wasser, 70–80 °C
  • Schneebesen, Molinillo oder Mixer
Der Geschmack – Gewürze und Süße
Der Geschmack

Gewürze & Süße

Reiner Kakao ist kräftig und erdig, Criollo fast blumig. Gewürze öffnen ihn: Kardamom macht ihn hell, Zimt warm, Chili gibt die Wärme der Maya, Vanille rundet ab. Eine Prise Salz hebt alle Aromen.

Süßen ist Geschmackssache – wenn, dann sparsam und zum Schluss, damit der Kakao die Hauptrolle behält. Panela, der unraffinierte Vollrohrzucker Guatemalas, passt am besten; Honig, Dattelsirup oder Kokosblütenzucker gehen genauso.

Cacao Jun Ajpu bringt seine Mischung schon mit: Zimt, Chili, Vanille und etwas Panela, in Antigua von Hand gerührt. Der DaliLeo-Block ist pur – dein Raum zum Experimentieren.

Das Ritual – Zeremonie und Absicht
Das Ritual

Zeremonie & Absicht

Eine Kakaozeremonie ist kein Rezept, sondern eine Haltung. Sie beginnt vor der Tasse: ein ruhiger Raum, vielleicht eine Kerze, und die Frage, wofür du heute Kakao trinkst. Die Maya sprechen von der Absicht – dem, was man in die Tasse hineingibt, bevor man daraus trinkt. Dann langsam trinken, in kleinen Schlucken, und nachspüren: Wärme im Brustraum, Weite, Wachheit ohne Unruhe.

Am besten auf leichten oder leeren Magen und ohne Kaffee davor. Kakao ist ein sanfter, aber spürbarer Begleiter – weniger ist oft mehr, und eine Zeremonie lebt nicht von der Gramm-Zahl. Wer schwanger ist, Herzprobleme hat oder Medikamente nimmt, spricht die Menge besser vorher ärztlich ab.

Wenn du eine Zeremonie erleben oder anleiten möchtest, schreib uns – wir teilen gern, was wir am Atitlán-See und von unseren Freunden gelernt haben.

Der Morgen – Kakao statt Kaffee
Der Morgen

Kakao statt Kaffee

Der Wachmacher im Kakao heißt Theobromin: mit Koffein verwandt, aber langsamer, milder und über Stunden – ohne Gipfel und Absturz. Koffein steckt deutlich weniger drin als in einem Espresso; dazu kommen Magnesium und Flavanole, die der Kaffee nicht mitbringt. Kaffee treibt an, Kakao öffnet – für konzentriertes, kreatives Arbeiten, für ein Gespräch, für den Morgen ohne Herzklopfen.

Umsteigen geht in zwei Schritten: erst den Nachmittagskaffee ersetzen, dann den Morgenkaffee. 30 g Kakao mit Hafermilch und einer Prise Zimt sind ein guter Start. Nach ein bis zwei Wochen fällt den meisten der Kaffee nicht mehr ein.

Weisheit des Kakaos · III

Wissenschaft & Fakten

Was steckt drin, was weiß die Forschung – und was nicht?
Wir bündeln, was belegt ist, und sagen, wo es noch offen ist.

Was steckt überhaupt drin?

Reine Kakaomasse – also unser Block – besteht etwa zur Hälfte aus Kakaobutter. Die andere Hälfte ist die Bohne selbst: Ballaststoffe, pflanzliches Eiweiß, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und eine Handvoll Botenstoffe, die Kakao so besonders machen. Die Zahlen unten gelten für 100 g Kakaomasse; in der Tasse mit 30 g steckt also knapp ein Drittel davon. Wie viel wirklich ankommt, hängt von Sorte, Fermentation und Verarbeitung ab.

Die Nährstoffe

Nährstoffe pro 100 g Kakaomasse

  • Ballaststoffe · ca. 16 g Mehr als in Vollkornbrot. Füttern die Darmflora und bremsen den Blutzuckeranstieg.
  • Eiweiß · ca. 14 g Pflanzliches Protein mit allen essenziellen Aminosäuren, darunter Tryptophan.
  • Kakaobutter · ca. 50 g Vor allem Stearin- und Ölsäure; die Stearinsäure wirkt sich neutral auf das Cholesterin aus.
  • Magnesium · ca. 330 mg Fast der gesamte Tagesbedarf. Für Nerven, Muskeln und Energiestoffwechsel – Kakao gehört zu den magnesiumreichsten Lebensmitteln überhaupt.
  • Kalium · ca. 800 mg Reguliert Wasserhaushalt und Blutdruck.
  • Eisen · ca. 17 mg Mehr als in Linsen. Pflanzliches Eisen wird weniger gut aufgenommen als tierisches – Vitamin C dazu (ein Spritzer Orange) hilft.
  • Zink · ca. 9 mg Immunsystem, Wundheilung, Haut.
  • Kupfer · ca. 3 mg Blutbildung, Nerven, Bindegewebe – deckt den Tagesbedarf mehrfach.
  • Mangan · ca. 4 mg Knochen, Enzyme, Stoffwechsel.
  • Kalzium · ca. 100 mg Knochen, Muskeln, Nerven.
  • Polyphenole · bis 5 g Vor allem Flavanole (Epicatechin, Catechin, Procyanidine) – antioxidativ und entzündungshemmend. Criollo enthält weniger davon als Forastero, dafür weniger Bitterstoffe.
Die Wirkstoffe

Wirkstoffe was auf Kopf und Herz wirkt

  • Theobromin · ca. 1,3 g Der sanfte Wachmacher des Kakaos. Mit Koffein verwandt, kommt aber langsamer ins Gehirn, wirkt milder und länger (Halbwertszeit 6–8 Stunden statt 3–7) und macht nicht abhängig. Weitet die Gefäße, wirkt leicht harntreibend und hustenstillend.
  • Koffein · ca. 80 mg Eine 30-g-Tasse enthält also rund 25 mg – etwa ein Drittel eines Espressos.
  • Flavanole · bis 2 g Die am besten untersuchten Stoffe im Kakao. Sie verbessern die Durchblutung von Herz, Haut und Gehirn.
  • Anandamid Das „Glücksmolekül“ des Körpers, ein körpereigenes Cannabinoid. Kakao enthält Spuren davon sowie zwei Stoffe, die seinen Abbau bremsen (di Tomaso et al., 1996). Ob davon nach dem Trinken etwas im Gehirn ankommt, ist nicht belegt – die Mengen sind sehr klein.
  • Phenylethylamin (PEA) Ein Botenstoff aus der Aminosäure Phenylalanin, verwandt mit Dopamin und Noradrenalin. Im Kakao enthalten, im Körper aber innerhalb von Minuten abgebaut – der „Verliebtheitsstoff“ ist eher Legende als Wirkung.
  • Tryptophan · ca. 0,13 g Aminosäure, aus der der Körper Serotonin und Melatonin bildet. Kakao liefert sie, zusammen mit Magnesium.
  • Salsolinol, Tyramin, Serotonin Weitere Botenstoffe in Spuren, deren Wirkung über die Tasse hinaus nicht untersucht ist.

Richtwerte für 100 % Kakaomasse (ungesüßte Blockschokolade, USDA), gerundet; Theobromin- und Flavanolgehalt schwanken je nach Sorte, Fermentation und Röstung stark.

Zwei Hände halten zeremoniellen Kakao in halbierten Kakaofrüchten
Die Forschung

Herz öffnen mit Kakao – was heißt das?

In der Zeremonie sagt man, Kakao öffne das Herz. Die Forschung hat dafür keine Messgröße – aber sie kennt drei Stoffe, die in dieselbe Richtung zeigen: Theobromin, Flavanole und die körpereigenen Cannabinoide.

Theobromin – wach, ohne getrieben zu sein

Theobromin ist der Hauptwirkstoff des Kakaos. Es blockiert wie Koffein die Adenosin-Rezeptoren, über die Müdigkeit entsteht – nur sanfter, weil es die Blut-Hirn-Schranke schlechter überwindet. Dafür bleibt es länger im Körper. Das Ergebnis kennt jeder, der Kakao statt Kaffee trinkt: Wachheit ohne Herzklopfen und ohne Entzug.

Eine Übersichtsarbeit von 2024 (Zhang et al.) fasst zwanzig Jahre Forschung zusammen: In Tierstudien schützt Theobromin Nervenzellen bei Durchblutungsstörungen, verbessert Gedächtnis und Bewegung und wirkt entzündungshemmend; in Zellstudien regt es braunes Fettgewebe an und hemmt die Bildung von Harnsäure-Nierensteinen. In einer Humanstudie hob es das „gute“ HDL-Cholesterin leicht an. Zwei große US-Bevölkerungsstudien fanden einen Zusammenhang zwischen Theobromin in der Ernährung und besserer Denkleistung im Alter. Die Autoren sagen aber auch klar: Fast alle Belege stammen aus Tier- und Zellversuchen, beim Menschen steht die Forschung am Anfang – und in Schwangerschaft und Stillzeit sollte man Theobromin eher reduzieren, weil es die Plazenta passiert.

Flavanole – Durchblutung für Herz und Kopf

Kakao-Flavanole, allen voran Epicatechin, gehören zu den am besten untersuchten Pflanzenstoffen. Ihr Mechanismus ist bekannt: Sie steigern die Verfügbarkeit von Stickstoffmonoxid, das die Gefäßinnenwand entspannt. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat dafür einen Gesundheitsclaim zugelassen – 200 mg Kakao-Flavanole am Tag helfen, die normale, gefäßabhängige Durchblutung zu erhalten.

Eine Studie der Universitäten Illinois und Birmingham (Gratton et al., Scientific Reports 2020) hat gezeigt, dass das auch das Gehirn betrifft: 18 gesunde junge Männer tranken doppelblind einen Kakao mit viel oder sehr wenig Flavanolen. Zwei Stunden später reagierte die Sauerstoffversorgung im Stirnhirn nach dem flavanolreichen Kakao rund eine Minute schneller und deutlich stärker auf einen Reiz, die Gefäßfunktion im Arm verbesserte sich – und bei der schwierigsten Denkaufgabe schnitten die Teilnehmer besser ab. Bei leichten Aufgaben gab es keinen Unterschied: Kakao macht nicht klüger, er gibt dem Gehirn Reserve, wenn es gefordert ist. Wer gefäßseitig profitierte, profitierte auch kognitiv.

Die großen Langzeitstudien zeigen in dieselbe Richtung: In der COSMOS-Studie (21.000 Menschen, 3,6 Jahre, 500 mg Flavanole täglich) starben in der Kakao-Gruppe 27 % weniger Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen; eine Columbia-Studie fand nach zwölf Wochen bessere Durchblutung im Hippocampus und besseres Gedächtnis bei älteren Erwachsenen. Ehrlich gesagt: Diese Studien arbeiten mit standardisierten Extrakten, nicht mit einer Tasse Kakao. Wie viele Flavanole dein Kakao enthält, hängt von Sorte, Fermentation und Röstung ab – und alkalisierter Industriekakao hat die meisten davon verloren.

Anandamid – das Glücksmolekül

Anandamid, benannt nach dem Sanskrit-Wort ananda für Glückseligkeit, ist ein Cannabinoid, das der Körper selbst herstellt. Es dockt an dieselben Rezeptoren an wie THC, wird aber „bei Bedarf“ gebildet und innerhalb von Minuten wieder abgebaut. Eine Übersichtsarbeit von 2018 (Scherma et al., Acta Pharmacologica Sinica) beschreibt seine Rolle im Belohnungssystem des Gehirns: Anandamid moduliert die Dopamin-Ausschüttung, wirkt schmerzlindernd, angstlösend und stimmungsaufhellend – und erweitert über TRPV1-Rezeptoren die Gefäße. Interessant für uns: Dieselben Rezeptoren reagieren auf Capsaicin, den Scharfstoff des Chilis, den die Maya in ihren Kakao gaben.

1996 fanden Forscher am Neurosciences Institute in San Diego Anandamid in Schokolade, dazu zwei verwandte Stoffe, die seinen Abbau bremsen. Daher stammt der Satz „Kakao macht glücklich“. Was man dazu wissen muss: Die Mengen sind winzig, und ob sie nach dem Trinken bis ins Gehirn gelangen, hat nie jemand gemessen. Der Rausch kommt nicht aus der Tasse. Was Kakao kann, ist leiser: Er bringt Wärme in den Brustraum, weitet die Gefäße, hält wach und ruhig zugleich – und schafft damit den Raum, in dem sich das Herz öffnen kann.

Und genau hier schließt sich der Kreis: Anandamid nehmen wir kaum über die Nahrung auf – der Körper bildet es selbst, und zwar vor allem aus dem, was wir erleben. Bewegung, Tanz, Nähe und Gemeinschaft lassen den Spiegel steigen: Bei Menschen ist Anandamid im Blut nach etwa einer halben Stunde Laufen in mittlerem Tempo messbar erhöht – bei ganz leichter oder sehr harter Belastung dagegen nicht (Raichlen et al. 2012, 2013). Beim sogenannten Läuferhoch gilt es deshalb als einer der Hauptakteure, und in Tierversuchen setzt schon soziale Nähe die Anandamid-Signale im Belohnungszentrum in Gang. Eine Zeremonie mit Absicht, Stille und einer geteilten Tasse ist genau so ein Erlebnis. Nicht der Kakao allein macht glücklich, sondern das, was wir mit ihm und miteinander erleben.

Die Verarbeitung

Roh, geröstet, alkalisiert?

„Rohkakao“ ist ein großes Wort: Schon in der Fermentation wird es im Haufen bis zu 60 °C warm – drei bis sechs Tage lang, und genau dort entsteht das Aroma. Ganz roh ist Kakao praktisch nie. Als Rohkakao gilt meist Kakao, der danach nur schonend getrocknet und unter etwa 45 °C verarbeitet wurde.

Was den Inhaltsstoffen wirklich schadet, ist nicht die sanfte Röstung, sondern die Alkalisierung („Dutching“) industrieller Kakaos: Dabei wird Kakao mit Lauge behandelt, damit er milder und dunkler wird – und verliert dabei einen Großteil seiner Flavanole. Auch lange, heiße Röstung und viel Zucker verdünnen, was die Bohne mitbringt.

Unsere Farmen fermentieren in Bananenblättern oder Holzkisten, trocknen an der Sonne und rösten leicht über Feuer – gerade so viel, dass Bitterstoffe weichen und der Charakter bleibt. Nicht alkalisiert, nicht entölt, ohne Zusätze. Wir nennen ihn deshalb lieber „ganzen Kakao“ als „Rohkakao“.

Die Fakten

Cadmium – ehrlich betrachtet

Cadmium ist ein Schwermetall, das natürlich in Böden vorkommt – in Vulkanregionen, wo viel Kakao wächst, etwas mehr. Der Baum nimmt es über die Wurzel auf; wie viel, hängt von Boden, pH-Wert, Sorte und Standort ab. Menschengemachte Quellen sind Kunstdünger, Klärschlamm und Industrie – auf Agroforstfarmen ohne Chemie fällt das weg.

Seit 1. Januar 2019 gelten EU-Höchstwerte: 0,60 mg/kg für Kakaopulver und 0,80 mg/kg für Schokolade mit mindestens 50 % Kakao (eingeführt mit Verordnung (EU) 488/2014, heute in Verordnung (EU) 2023/915 fortgeführt). Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA nennt 2,5 µg pro Kilo Körpergewicht und Woche als tolerierbare Aufnahme – bei 70 kg also 175 µg pro Woche; eine 30-g-Tasse Kakao mit 0,5 mg/kg Cadmium enthält 15 µg. Cadmium wird über Jahre im Körper gespeichert – es geht also um die Menge über lange Zeit, nicht um eine Tasse. Wir kennen unsere Farmen, ihre Böden und ihren Anbau; wenn du Fragen zu Analysewerten hast, schreib uns.